Ein komplexer Fall, geteilt von Tina Selland, CCRP, in Zusammenarbeit mit Dr. Anne Margrethe Nydal, Tierchiropraktikerin.
Erfahren Sie, wie objektive Daten die Behandlung und das Monitoring komplexer Fälle in der Veterinärmedizin unterstützen.
Orthopädische und neurologische Herausforderungen bei einem Malinois
Wir haben eine 8-jährige kastrierte Malinois-Hündin mit einer komplexen Vorgeschichte orthopädischer und neurologischer Störungen betreut. Zuvor wurde sie aufgrund einer medialen Schulterinstabilität der rechten Vordergliedmaße operiert und erlitt im vergangenen Sommer eine Sehnenverletzung der linken Hintergliedmaße, die durch eine Drucknekrose infolge der Bandagierung kompliziert wurde. Zudem leidet sie an einer Spondylose im Bereich T5–T6–T7.
Darüber hinaus zeigt sie aktuell ein nicht diagnostiziertes neurologisches Defizit, das gelegentlich zu Inkoordination, Stolpern und einem instabilen Gangbild der Hinterhand führt. Sie kann sogar stürzen, wenn am Hals durch ein Halsband Druck ausgeübt wird.
Therapeutischer Ansatz und objektives Gangmonitoring
Die Symptome der Patientin hatten sich im Laufe des Winters verschlechtert, mit zunehmender Steifheit und Unbehagen. Der Behandlungsplan umfasste eine fokussierte Stoßwellentherapie (ESWT) im Bereich T4–T8, der lumbosakralen Übergangszone sowie beidseitig der Iliosakralgelenke, um die Entzündung der schmerzhaften Wirbel und der epaxialen Muskulatur zu reduzieren. Gabapentin wurde mit 200 mg zweimal täglich eingeführt, und regelmäßige chiropraktische Anpassungen wurden fortgesetzt.
Die Gangdaten wurden mit Tendiboots™ zu drei Zeitpunkten erhoben: zunächst eine Referenzmessung vor jeder Intervention, anschließend nach der ersten ESWT-Sitzung und dem Beginn der medikamentösen Behandlung, sowie danach nach weiteren ESWT-Sitzungen. Dadurch konnten Veränderungen in Schrittbild, Symmetrie und Schubkraft objektiv gemessen werden.
Diese Grafik veranschaulicht die Entwicklung der Aufprallkräfte bei dieser Hündin im Verlauf der Zeit. Im Januar zeigten die Tendiboots™-Messungen deutliche Asymmetrien sowohl zwischen den Vorder- und Hintergliedmaßen als auch eine höhere Belastung der linken Diagonale (höhere Aufprallkraft in der linken Vordergliedmaße und der rechten Hintergliedmaße).
Im März wurden die Messwerte deutlich symmetrischer und zeigten eine ausgewogenere Verteilung der Aufprallkräfte auf alle Gliedmaßen. Diese Ergebnisse bestätigten sich in den beiden letzten Messungen am 8. und 22. März, auch nach Absetzen der Behandlung (Gabapentin).
Warum wurde dieser therapeutische Ansatz gewählt?
Die Hündin erhielt seit ihrer Geburt regelmäßige Behandlungen und wurde vom Besitzer gut betreut. Dennoch hatten sich ihre Symptome verschlechtert, und sie zeigte zunehmende Steifheit und Unbehagen.
Die fokussierte Stoßwellentherapie wurde gewählt, um gezielt die Entzündung der Wirbel und der epaxialen Muskulatur zu behandeln, die mit ihren Bewegungsmustern in Zusammenhang steht. Gleichzeitig unterstützten chiropraktische Anpassungen und die medikamentöse Behandlung den allgemeinen Komfort und die Mobilität.
Verstärkte Überwachung und Zusammenarbeit mit Tendiboots™
Tendiboots™ erwies sich als besonders wertvoll für die objektive Überwachung der Lokomotion. Das System lieferte klare und quantifizierbare Daten, die messbare Verbesserungen nach jeder Behandlungssitzung zeigten.
Für den Besitzer bedeutete dies eine echte Beruhigung, da die Fortschritte nicht nur auf klinischer Beobachtung beruhten, sondern in Form von Grafiken und Zahlen sichtbar wurden.
Da der überweisende Tierarzt zwei Stunden entfernt ansässig ist, ermöglichte Tendiboots™ zudem einen reibungslosen digitalen Austausch der Ergebnisse und erleichterte so die Zusammenarbeit zwischen der Reha-Fachkraft und dem Tierarzt für fundierte therapeutische Entscheidungen.
Im Tendiboots™ Canine Balkendiagramm können Fachleute schnell Parameter identifizieren, die außerhalb des Normalbereichs eines gesunden Hundes (grüner Bereich) liegen.
In diesem Verlauf:
• Januar (erster Bildschirm links): Der Peak der Ground Reaction Force (GRF) der Vordergliedmaßen lag außerhalb des grünen Bereichs, mit einer geringeren Belastung der rechten Vordergliedmaße (roter Bereich rechts). Bei den Hintergliedmaßen (Balken unter der mittleren schwarzen Linie) war die linke Hintergliedmaße unterbelastet (roter Bereich links).
• Februar: Alle Parameter der Vordergliedmaßen kehrten in den grünen Bereich zurück. Der GRF-Peak der linken Hintergliedmaße lag noch leicht unter dem Normalbereich, näherte sich jedoch an, was auf eine Verbesserung hinweist.
• März (zwei letzte Sitzungen): Alle Parameter befinden sich nun im grünen Bereich und zeigen eine ausgeglichene Kraftverteilung auf alle Gliedmaßen, selbst nach dem Ende der Behandlung (Gabapentin).
Diese Visualisierung zeigt, wie Tendiboots™ Canine subtile Veränderungen der Lokomotion und der Kraftverteilung im Zeitverlauf verfolgen kann und damit objektive Daten zur Unterstützung des Rehabilitationsverlaufs liefert.
Kontinuierliche Überwachung und Langzeitmonitoring
Obwohl sich die Hündin nicht vollständig erholen kann, ist das Ziel, sie in einem komfortablen und aktiven Zustand zu erhalten.
Die regelmäßige Überwachung mit Tendiboots™ ermöglicht es, frühzeitig Veränderungen der Lokomotion oder Symmetrie zu erkennen und bei Bedarf die Schmerztherapie oder Rehabilitationsprotokolle entsprechend anzupassen.
Eine kürzlich durchgeführte Verlaufskontrolle zeigte, dass die Hündin trotz Absetzen von Gabapentin aufgrund unerwünschter Nebenwirkungen (Zunahme von Angstepisoden) die durch die Stoßwellentherapie erreichte Symmetrie der Lokomotion beibehalten hat.
Erfahren Sie mehr über Tina und ihre Praxis
Tina Selland, CCRP – Rehabdyrepleieren AS Facebook.
Dr Anne Margrethe Nydal, Tierchiropraktikerin – Lett på Poten.


