Wenn der Schritt normal erscheint … aber der Trab nicht

In diesem klinischen Fall stellt das Splash Paws Canine Hydrotherapy & Physiotherapy Centre™ die Hündin Willow vor, die aufgrund einer persistierenden Lahmheit der rechten Hintergliedmaße sowie einer beidseitigen Schwäche der Hintergliedmaßen überwiesen wurde, obwohl bildgebende diagnostische Untersuchungen keine signifikanten Auffälligkeiten zeigten.

 

Dank der Lokomotionsanalyse mit EKICO Tendiboots™ konnte das Rehabilitationsteam subtile Asymmetrien sowie sich entwickelnde kompensatorische Muster aufzeigen, die bei der routinemäßigen klinischen Beobachtung nicht immer zuverlässig erkennbar waren.

 

Dieser Fall verdeutlicht den Nutzen einer objektiven Beurteilung der Lokomotion bei Hunden mit komplexen oder variablen klinischen Symptomen.

Klinisches Fallbeispiel: der Fall Willow

Willow wurde zunächst im Splash Paws vorgestellt, nachdem sie Episoden von Steifheit sowie eine intermittierende Lahmheit der rechten Hintergliedmaße gezeigt hatte. Die durchgeführten diagnostischen Untersuchungen umfassten Röntgenaufnahmen der Hüften, Kniegelenke, Tarsalgelenke sowie der Lendenwirbelsäule, die sämtlich als ohne signifikante Auffälligkeiten bewertet wurden.

 

Trotz fehlender bildgebender Befunde zeigte Willow weiterhin Veränderungen ihrer Bewegungsmuster sowie eine verminderte Belastbarkeit während der Aktivität, was zu einer Überweisung in die Rehabilitationsabteilung und zur therapeutischen Behandlung führte.

 

Bei der initialen klinischen Untersuchung zeigte Willow eine leichte Lahmheit der rechten Hintergliedmaße, verbunden mit einer verkürzten Schrittlänge der Beckengliedmaßen. Die Palpation ergab eine generalisierte muskuläre Hypertonie, die sowohl die thorakale als auch die pelvine Muskulatur betraf.

 

Die orthopädischen und Weichteilbefunde umfassten eine reduzierte Hüftextension rechts, eine Schmerzreaktion bzw. Unbehagen bei der Beurteilung der Bewegungsamplitude des rechten Hüftgelenks, eine bilaterale Abwehrhaltung bei der Streckung der Kniegelenke, eine Hypertonie des rechten Quadrizeps sowie der ischiokruralen Muskulatur und des Gracilis links, sowie Faszikulationen der epaxialen Lendenmuskulatur bei tieferer Palpation der lumbosakralen Region.

 

Zusätzliche kompensatorische Muster wurden auch in den thorakalen Gliedmaßen festgestellt, darunter eine verminderte Schulterextension, eine leichte Einschränkung der Ellenbogenflexion sowie ein erhöhter Muskeltonus der kaudalen Schultermuskulatur beidseits.

 

Insgesamt deuteten diese Befunde auf ein multifaktorielles kompensatorisches Lokomotionsmuster hin, anstatt auf eine isolierte orthopädische Einzelerkrankung.

Rehabilitationsstrategie

Ein Rehabilitationsprogramm, das therapeutische Massagen und Hydrotherapie kombiniert, wurde eingeführt, mit den Hauptzielen, die Einbindung der Hintergliedmaßen zu verbessern, die muskuläre Hypertonie zu reduzieren und effizientere Bewegungsmuster wiederherzustellen.

 

Aufgrund medizinischer Begleitumstände war die Lasertherapie im Fall von Willow kontraindiziert. Daher wurde die therapeutische Massage als alternative Behandlungsmodalität gewählt, um Gewebespannungen zu reduzieren, die Mobilität zu verbessern, die Durchblutung zu unterstützen und zum allgemeinen Wohlbefinden beizutragen.

 

Die Hydrotherapie wurde integriert, um eine kontrollierte, gelenkschonende Bewegung zu ermöglichen, eine schrittweise Kräftigung zu fördern und eine symmetrischere Belastungsverteilung der Hintergliedmaßen zu unterstützen, während die Gelenkbelastung während der Bewegung minimiert wird.

 

Im Verlauf der Rehabilitation begannen subtile Veränderungen des Lokomotionsmusters von Willow sichtbar zu werden. Während der Hydrotherapiesitzungen beobachtete das Rehabilitationsteam ein intermittierendes Becken-Hiking sowie Veränderungen der Belastung der linken Hintergliedmaße, obwohl die rechte Hintergliedmaße zuvor als Hauptproblem identifiziert worden war.

 

Diese Beobachtungen waren bei der klassischen visuellen Ganganalyse nicht immer reproduzierbar, und der Besitzer hatte keine offensichtliche Verschlechterung im häuslichen Umfeld berichtet. Daher wurde eine objektive Lokomotionsanalyse durchgeführt, um die dynamischen Asymmetrien der Bewegung genauer zu untersuchen.

Bewertung der statischen Gewichtsverteilung

Die statische Analyse der Standposition zeigte eine deutliche Asymmetrie der Gewichtsverteilung.

 

Unter idealen Bedingungen wird eine symmetrische Verteilung erwartet, mit etwa 30 % des Gewichts auf jeder Vordergliedmaße und 20 % auf jeder Hintergliedmaße. Die Ergebnisse bei Willow zeigten eine erhöhte Belastung der linken Vordergliedmaße (36 %) sowie eine reduzierte Belastung der rechten Hintergliedmaße (15 %).

 

Diese Verteilung war konsistent mit einer Entlastung der rechten Hintergliedmaße und einer kompensatorischen Mehrbelastung der Vordergliedmaßen.

 

Eine leichte Zunahme der Belastung der linken Hintergliedmaße wurde ebenfalls beobachtet. Dies entsprach der klinisch palpatorisch festgestellten muskulären Spannung und Steifheit der linken Beckengliedmaße.

 

Die Ergebnisse der statischen Analyse unterstützten somit das Vorliegen einer bilateralen kompensatorischen Beteiligung, trotz einer initial als unilateral vermuteten Präsentation.

Ergebnisse der dynamischen Lokomotionsanalyse

Eine dynamische Lokomotionsanalyse wurde im Schritt und Trab mithilfe von EKICO Tendiboots™ durchgeführt.

 

Im Schritt erschien das Lokomotionsmuster von Willow insgesamt relativ symmetrisch. Die Parameter der Vordergliedmaßen zeigten nur minimale seitliche Unterschiede, mit vergleichbaren Werten für Schritthöhe, Zyklusdauer und statische Stützphase. Bei den Hintergliedmaßen wurden lediglich leichte Reduktionen der Schritthöhe, der Schrittlänge sowie der maximalen Bodenreaktionskraft der rechten Hintergliedmaße beobachtet.

 

Diese Beobachtungen standen im Einklang mit der klinisch relativ subtilen Präsentation, die insbesondere bei Bewegungen mit geringer funktioneller Belastung festgestellt wurde.

Im Gegensatz dazu zeigte die Analyse im Trab eine deutlich ausgeprägtere Asymmetrie.

Daten im Schritt
Daten im Trab

Die klinisch relevantesten Beobachtungen umfassten eine deutliche Reduktion der Schritthöhe und der Schrittlänge der rechten Hintergliedmaße, verbunden mit einer verminderten maximalen Bodenreaktionskraft, was mit einer reduzierten Propulsion und einer schützenden Entlastung der Gliedmaße vereinbar ist.

 

Diese Ergebnisse korrelierten eng mit dem zuvor festgestellten Unbehagen und der Bewegungseinschränkung bei der Beurteilung der rechten Hüftextension.

 

Darüber hinaus zeigte die Analyse unerwartete zeitliche Auffälligkeiten der linken Hintergliedmaße. Willow wies eine deutliche Verlängerung der Schwungphase sowie eine Verkürzung der Standphase der linken Beckengliedmaße auf.

 

Diese zeitliche Asymmetrie entsprach nicht vollständig dem mechanischen Entlastungsmuster der rechten Hintergliedmaße und deutete auf eine komplexere bilaterale kompensatorische Strategie hin.

 

Eine mögliche Interpretation ist, dass Willow die rechte Hintergliedmaße vorzeitig aufsetzte, um die Belastung der linken Hintergliedmaße während anspruchsvollerer lokomotorischer Aktivitäten zu reduzieren. Dies könnte erklären, warum die Funktionsstörung der linken Hintergliedmaße bei der standardmäßigen klinischen Beobachtung zunächst nicht offensichtlich war.

 

Der Kontrast zwischen Schritt- und Trabanalyse war in diesem Fall besonders relevant. Während die Schrittanalyse eine relativ funktionelle Lokomotion nahelegte, zeigten sich im Trab klinisch signifikante Asymmetrien und kompensatorische Anpassungen, die unter höherer biomechanischer Belastung deutlicher wurden.

Klinische Relevanz von EKICO Tendiboots™

Dieser Fall zeigt den klinischen Wert einer objektiven Lokomotionsanalyse bei Hunden mit subtilen, intermittierenden oder kompensatorischen Bewegungsstörungen.

 

Ohne eine quantitative Beurteilung der Lokomotion hätte die bilaterale kompensatorische Strategie von Willow möglicherweise unterschätzt werden können, insbesondere aufgrund des relativ symmetrischen Erscheinungsbildes ihres Gangbildes im Schritt sowie bei alltäglichen Aktivitäten.

 

EKICO Tendiboots™ lieferte objektive Daten, die es dem Rehabilitationsteam ermöglichten, die Belastungsmuster der Gliedmaßen besser zu charakterisieren, Asymmetrien zu identifizieren, die bei reiner Beobachtung nicht systematisch sichtbar sind, und die Entwicklung kompensatorischer Strategien unter erhöhter lokomotorischer Belastung zu verfolgen.

 

Diese Ergebnisse ermöglichten zudem eine Anpassung des Rehabilitationsprogramms von Willow, indem die Behandlung auf beide Beckengliedmaßen ausgeweitet wurde, anstatt sich ausschließlich auf die ursprünglich betroffene rechte Hintergliedmaße zu konzentrieren.

 

Wiederholte Lokomotionsanalysen werden weiterhin während des gesamten Rehabilitationsprozesses eingesetzt, um den Verlauf zu überwachen, die Therapieantwort zu bewerten und klinische Entscheidungen zu unterstützen.

Rehabilitationsansatz von Splash Paws

Splash Paws bietet Rehabilitationsprogramme für Hunde mit orthopädischen, neurologischen oder leistungsbezogenen Störungen an. Ihr klinischer Ansatz umfasst manuelle Therapien, Hydrotherapie, Prinzipien des Muskelaufbaus und Konditionstrainings sowie eine objektive Bewegungsanalyse, um eine evidenzbasierte Rehabilitationsplanung zu unterstützen.

 

Der Einsatz von EKICO Tendiboots™ in der klinischen Praxis ermöglicht es dem Team, subtile lokomotorische Asymmetrien zu erkennen, die funktionelle Entwicklung objektiv zu verfolgen und Rehabilitationsstrategien entsprechend messbarer biomechanischer Veränderungen im Verlauf der Zeit anzupassen.

Fazit

Der Fall Willow verdeutlicht die diagnostischen und klinischen Herausforderungen im Zusammenhang mit subtilen bilateralen kompensatorischen Funktionsstörungen bei Hunden, bei denen bildgebende Untersuchungen unauffällig sind und eine intermittierende oder wenig konstante Lahmheit beobachtet wird.

 

Die objektive Lokomotionsanalyse zeigte klinisch relevante Asymmetrien, die unter erhöhter lokomotorischer Belastung deutlicher wurden, und ermöglichte ein besseres Verständnis der Interaktion zwischen primären und kompensatorischen Bewegungsmustern.

 

Dieser Fall unterstreicht zudem den Nutzen der Integration einer quantitativen Lokomotionsbewertung in die rehabilitative Behandlung, insbesondere bei Hunden, bei denen eine rein subjektive Beobachtung die Komplexität funktioneller Defizite unterschätzen kann.

Blogartikel in Zusammenarbeit mit Emmy Figg & Ellie Bridges
des Splash Paws Canine Hydrotherapy & Physiotherapy Centre™

Emmy Figg
Ellie Bridges
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