Intermittierende Lahmheit bei Sporthunden gehört zu den größten diagnostischen Herausforderungen in der Sportmedizin. Ist die Lahmheit nur leicht ausgeprägt, unregelmäßig oder schwer zu lokalisieren, kann selbst für erfahrene Tierärztinnen und Tierärzte die Identifizierung der betroffenen Gliedmaße schwierig sein, wodurch sich eine gezielte Behandlung verzögern kann.
In diesem klinischen Fallbericht, der gemeinsam mit Paula Teal verfasst wurde, zeigen wir, wie die Tendiboots™ Canine Ganganalyse objektive Gangauffälligkeiten bei einem 7-jährigen Border Collie im Agility-Sport identifizieren konnte. Mithilfe quantitativer Gangdaten ermöglichte das System eine gezielte Rehabilitation und trug zu einer erfolgreichen Rückkehr in den Sport ohne erneutes Auftreten der Lahmheit bei.
Die Herausforderung: Eine schwer zu lokalisierende intermittierende Lahmheit
Ein 7-jähriger Border Collie, der aktiv im Agility-Sport eingesetzt wurde, wurde aufgrund einer intermittierenden Lahmheit zur weiteren Abklärung vorgestellt.
Trotz mehrerer klinischer Untersuchungen konnten sich die behandelnden Fachpersonen nicht darauf einigen, welche Gliedmaße tatsächlich betroffen war. Da die Lahmheit nur zeitweise auftrat und vermutlich Kompensationsmechanismen eine Rolle spielten, reichte die subjektive Ganganalyse allein nicht aus, um die Behandlung sicher auszurichten.
„Tierärzte und andere Fachpersonen konnten sich nicht darauf einigen, welche Gliedmaße betroffen war – die Meinungen gingen auseinander, ob es sich um eine Vorder- oder Hintergliedmaße sowie um die linke oder rechte Seite handelte.“
– Paula Teal
Anstatt sich ausschließlich auf die visuelle Beurteilung zu verlassen, wurde eine objektive Ganganalyse durchgeführt, um subtile Asymmetrien zu identifizieren und die Rehabilitation gezielt zu steuern.
Die objektive Ganganalyse deckte Kompensationsmuster auf
Die Tendiboots™-Analyse zeigte mehrere Asymmetrien an beiden Vordergliedmaßen.
Anstatt ein einzelnes „lahmes Bein“ zu identifizieren, zeigte die Analyse, dass beide Vordergliedmaßen betroffen waren: Die Beweglichkeit der rechten Vordergliedmaße war eingeschränkt, während die linke Vordergliedmaße kompensatorische Belastungsveränderungen aufwies.
Diese objektiven Informationen lieferten eine klare Grundlage für die weitere Behandlung.
Ein gezielter Rehabilitationsplan
Basierend auf den Ergebnissen der Ganganalyse konzentrierte sich die Therapie darauf, die Beweglichkeit der Schulter wiederherzustellen und eine symmetrische Belastung der Gliedmaßen zu fördern.
Das Rehabilitationsprogramm umfasste:
* Osteopathische Techniken zur Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit.
* Klinische Massage zur Reduzierung von Muskelverspannungen und kompensatorischen Einschränkungen.
* Cavaletti-Übungen zur Förderung einer kontrollierten Schulterflexion und -extension.
* Langsames Führen an der Leine zur Unterstützung eines symmetrischen Gangbildes.
* Eine schrittweise und strukturierte Rückkehr zur Belastung.
Besondere Aufmerksamkeit wurde auf eine progressive Steigerung der Übungen gelegt, da der Besitzer berichtete, dass frühere Episoden häufig durch eine zu schnelle Rückkehr zum Agility-Training nach der Verletzung ausgelöst wurden, bevor eine vollständige Genesung erreicht war.
Verlauf und Ergebnis
Nach der Rehabilitation ist die Lahmheit des Hundes bis heute nicht wieder aufgetreten.
Durch die objektive Identifizierung der funktionellen Defizite ermöglichte Tendiboots™ eine gezielte Therapie des zugrunde liegenden biomechanischen Problems, anstatt lediglich die sichtbaren Anzeichen einer Lahmheit zu behandeln.
Bei Sporthunden, bei denen bereits geringe Gangasymmetrien die Leistungsfähigkeit deutlich beeinträchtigen und das Verletzungsrisiko erhöhen können, kann eine objektive Beurteilung wertvolle klinische Unterstützung bieten und mehr Sicherheit bei der Planung der Rehabilitation schaffen.
Warum eine objektive Ganganalyse wichtig ist
Fälle mit intermittierender oder subtiler Lahmheit gehen häufig mit Kompensationsmechanismen einher, wodurch eine Beurteilung allein anhand der visuellen Beobachtung schwierig sein kann.
Eine objektive Ganganalyse unterstützt Tierärzte dabei:
* Asymmetrien zu erkennen, die mit bloßem Auge möglicherweise nicht sichtbar sind.
* Primäre Funktionsstörungen von kompensatorischen Anpassungen zu unterscheiden.
* Den Fortschritt der Rehabilitation über die Zeit zu überwachen.
* Besitzern objektive Berichte zur Verfügung zu stellen, die das Verständnis und die Mitarbeit verbessern.
* Eine evidenzbasierte klinische Entscheidungsfindung zu unterstützen.
Gerade bei Sporthunden ermöglicht diese Information eine präzisere Anpassung der Rehabilitationsprogramme und trägt gleichzeitig dazu bei, das Risiko eines erneuten Auftretens zu reduzieren.
Über die Mitautorin
Paula Teal ist die Gründerin und Leiterin des Squirrel Lodge Centre, eines spezialisierten Zentrums für Rehabilitation und Fitness von Hunden in Lincolnshire, Großbritannien. Sie ist ausgebildete Canine Rehabilitation Practitioner und Fitnesstrainerin für Hunde und hat ein besonderes Interesse an der Unterstützung von Hunden bei der Genesung nach Verletzungen oder Operationen, beim Management chronischer Erkrankungen sowie bei der Optimierung der Leistungsfähigkeit von Sporthunden.
Im Squirrel Lodge Centre verfolgt Paula einen multidisziplinären Ansatz, der Rehabilitationsübungen, manuelle Therapien und objektive Ganganalysen kombiniert, um individuell auf die Bedürfnisse jedes Hundes abgestimmte Programme zu entwickeln. Sie arbeitet eng mit Tierärzten zusammen, um die Diagnose, die Rehabilitationsplanung und die langfristige Verlaufskontrolle von Patienten zu unterstützen.
Mit umfangreicher Erfahrung in den Bereichen Hundelokomotion und Rehabilitation integriert Paula die objektive Ganganalyse in ihre klinische Praxis, um ihre eigenen Beobachtungen zu ergänzen und Tierbesitzern sowie tiermedizinischen Teams präzise Daten zur Verfügung zu stellen.


