Tierphysiotherapie

Die Physiotherapie, auch funktionelle Rehabilitation genannt, ist eine Fachrichtung, die sich auf die Fortbewegung konzentriert. Sie wird sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin eingesetzt und spielt eine wichtige Rolle in der Prävention und Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparates. Besonders hervorzuheben ist, dass die Physiotherapie vom Tierärzterat offiziell anerkannt ist und eine spezielle Ausbildung in diesem Bereich erforderlich ist.*

Was ist Physiotherapie in der Veterinärmedizin?

Heutzutage können viele Tierarten von der Physiotherapie profitieren. Diese Disziplin findet in verschiedenen Situationen Anwendung: im Rahmen eines Behandlungsplans bei Erkrankungen des Bewegungsapparates (ob osteoartikulär oder muskulär), nach einem Unfall, zu Präventionszwecken oder ergänzend zu einer Operation, um nur einige Beispiele zu nennen.

Allgemein gesprochen ist das Ziel der Physiotherapie, eine normale oder nahezu normale Bewegungsfunktion wiederherzustellen. Sie trägt auch zur Schmerzlinderung beim Tier bei. Obwohl es viele mögliche Indikationen gibt, müssen auch einige Kontraindikationen beachtet werden, insbesondere in Bezug auf bestimmte Techniken.

Die Physiotherapie umfasst eine Vielzahl von Methoden, wie etwa die Kinesiotherapie (auch „Bewegungstherapie“ genannt, mit passiven oder aktiven Mobilisierungen des Tieres), die Lasertherapie mit ihren vielfältigen Vorteilen (z. B. Gewebeheilung), Stoßwellentherapie und Hydrotherapie, um nur einige zu nennen. Dies erfordert spezielle Geräte und geeignete Räumlichkeiten.

Mehrere Kliniken und veterinärmedizinische Zentren in Frankreich bieten heute Physiotherapieleistungen an, und einige spezialisierte Einrichtungen sind vollständig auf veterinärmedizinische Physiotherapie ausgerichtet.

Veterinärphysiotherapie: Eine Disziplin im Aufschwung?

In Frankreich wird die Physiotherapie in der Veterinärmedizin seit etwa dreißig Jahren praktiziert. Ihre Entwicklung nimmt tatsächlich zu – vermutlich aufgrund der steigenden Nachfrage seitens der Tierhalter.

Der französische Verband für Veterinärphysiotherapie (früher: Verband der in Physiotherapie und funktioneller Rehabilitation tätigen Tierärzte, Afvephyr) wurde 2011 gegründet.
Seine Aufgabe besteht darin, die Veterinärphysiotherapie zu fördern und weiterzuentwickeln.

2012 wurde die Physiotherapie vom französischen Nationalen Tierärzterat (CNOV) offiziell als tierärztliche Handlung anerkannt. Schließlich legte der CNOV 2016 den rechtlichen Rahmen für ihre Ausübung fest.

Wie in anderen Fachbereichen erfordert auch die Physiotherapie eine gründliche klinische Untersuchung des Tieres sowie eine klare Diagnose.
Eine Analyse der Fortbewegung des Tieres ist dabei besonders wertvoll. Mehrere Schritte sind notwendig, um die am besten geeignete(n) physiotherapeutische(n) Technik(en) für jeden einzelnen Fall festzulegen.

Darüber hinaus geht die Physiotherapie über die bloße Umsetzung eines Behandlungsplans hinaus – sie umfasst auch eine kontinuierliche Überwachung und Neubewertung des Gesundheitszustands des Tieres.

Während der Gangbildanalyse führt der Tierarzt verschiedene Bewertungen und manuelle Untersuchungen durch. Bestimmte Hilfsmittel wie die Tendiboots™ Canine lassen sich problemlos in diesen Prozess integrieren, um die Bewegungsanalyse zu unterstützen – vor der Ausarbeitung eines physiotherapeutischen Protokolls.

Tierphysiotherapie: Eine Disziplin im Aufschwung?

Einerseits kann Physiotherapie präventiv eingesetzt werden. In diesem Zusammenhang sind die wichtigsten Anwendungsbereiche:

● Bei Sporthunden: Diese Disziplin ist besonders hilfreich im Management sportlich aktiver Hunde – sei es zur Leistungssteigerung oder zur Vorbeugung bestimmter Verletzungen und Beschwerden. Sie findet sowohl in der Vorbereitung auf körperliche Belastung als auch im Anschluss zur Regeneration Anwendung.
● Vor chirurgischen Eingriffen: Um den Hund optimal auf die Operation vorzubereiten und mögliche Komplikationen – z. B. Muskelatrophie – zu vermeiden.

Andererseits gibt es zahlreiche kurative Indikationen für die Tierphysiotherapie, wie zum Beispiel:

● Schmerzmanagement: Zahlreiche schmerzhafte Erkrankungen, darunter insbesondere Arthrose, lassen sich durch Physiotherapie lindern.
● Bei älteren Tieren: Ältere Tiere leiden häufig unter Bewegungsstörungen, die physiotherapeutisch begleitet werden können.
● Neurologische Erkrankungen: Zum Beispiel Bandscheibenvorfälle.
● Osteoartikuläre und muskuloskelettale Beschwerden: Etwa bei Luxationen oder Hüftdysplasie.
● Postoperative Versorgung: Um die Genesung nach Operationen zu fördern und zu beschleunigen.
● Im Rahmen unterschiedlicher Rehabilitationsmaßnahmen: Etwa bei orthopädischen, neurologischen oder respiratorischen Indikationen.
● Bei Übergewicht oder Adipositas: Physiotherapie kann beim gesunden Gewichtsverlust unterstützen.

Insgesamt trägt die Tierphysiotherapie nachhaltig zur Lebensqualität kranker Tiere bei.

Hat die Physiotherapie eine „soziale“ Rolle in Bezug auf die Bindung zum Tierhalter?

Da diese Disziplin sowohl die Lebensqualität als auch das Wohlbefinden des Tieres verbessert, spielt auch die Beziehung zum Halter eine wichtige Rolle. Ein Tier kann die Freude am Spazierengehen oder Spielen wiedererlangen, sobald seine Mobilität wiederhergestellt ist.

Ob bei einem kranken oder alternden Tier – diese Disziplin sollte in Betracht gezogen werden, um das Wohlbefinden bestmöglich zu fördern und Unterstützung zu bieten. Zum Beispiel hilft sie, die negativen Auswirkungen des Alterns zu begrenzen – ein wichtiger Aspekt in der Mensch-Tier-Beziehung.

Der Erfolg eines physiotherapeutischen Protokolls hängt zwar von mehreren Faktoren ab, doch die Einbindung und Mitwirkung des Tierhalters sind entscheidend. In jedem Fall ist eine offene Kommunikation zwischen den Fachleuten sowie mit dem Halter unerlässlich, um eine optimale Versorgung des Tieres zu gewährleisten – sei es präventiv oder kurativ.

Darüber hinaus können Übungen für den täglichen Einsatz zu Hause empfohlen werden, um das Wohlbefinden des Tieres weiter zu verbessern. Die Vorteile sollten klar erläutert werden, um das Engagement des Tierhalters in diesen Pflegeprozess zu maximieren.

Entdecken Sie unsere weiteren Artikel von mit Tendiboots™ Canine ausgestatteten Tierärzten, die auf Physiotherapie spezialisiert sind.​

Weitere Informationen

Es gibt zum Beispiel das schulische Diplom (DE) in Kinesiologie, Physiotherapie und funktioneller Rehabilitation der Nationalen Veterinärhochschule von Alfort (Link).

Mehr erfahren:
Die französische Vereinigung der Tierärzte für Physiotherapie und funktionelle Rehabilitation (Afvephyr) bietet ein Verzeichnis von Zentren und Tierärzten, die Physiotherapie praktizieren.

Quellen:
👉 Agnès Laget. „Physiotherapie – eine neue Disziplin für unseren Beruf“. La Semaine Vétérinaire Nr. 1700, 13.12.2016.
👉 Technisches Dossier: Ausübung der tierärztlichen Physiotherapie und funktionellen Rehabilitation (Link)
👉 Ségolène Minster. „Physiotherapie ist in vielen Situationen angezeigt“. La Semaine Vétérinaire Nr. 1673, 06.05.2016.

FAQ

Die Ganganalyse ist ein unverzichtbarer Bestandteil der physiotherapeutischen Befunderhebung beim Hund. Vor der Erstellung eines Rehabilitationsprotokolls ermöglicht sie die objektive Erfassung von Lahmheitsgrad, Belastungsasymmetrien und Kompensationsmechanismen, die einer rein visuellen Beurteilung häufig entgehen. Portable Messsysteme wie Tendiboots™ Canine lassen sich problemlos in den klinischen Untersuchungsgang integrieren und liefern reproduzierbare dynamische Parameter — eine solide Grundlage für die Therapieplanung und das Verlaufsmonitoring.

Zu den häufigsten Indikationen zählen die Behandlung chronischer Schmerzzustände (Arthrose, Spondylose), die postoperative Rehabilitation (Kreuzbandoperation, Femurkopfresektion, Frakturversorgung), neurologische Erkrankungen (Bandscheibenvorfall, degenerative Myelopathie) sowie die konditionelle Vorbereitung und Nachsorge des Sporthundes. Darüber hinaus ist Physiotherapie präventiv indiziert bei älteren oder übergewichtigen Patienten, um Muskelatrophie und Gelenksteife durch Bewegungsmangel entgegenzuwirken.

Die visuelle Lahmheitsbeurteilung — auch durch erfahrene Tierärzte — ist inhärent subjektiv und zeigt eine erhebliche Interobserver-Variabilität, insbesondere bei geringgradiger Lahmheit unterhalb von Grad 2/5. Aktuelle Studien, u. a. aus Frontiers in Veterinary Science (2026), belegen, dass subjektive Methoden Bodenreaktionskraft-Asymmetrien systematisch unterschätzen. Die Integration objektiver Analyseverfahren — Druckmessplatten, kinematische Systeme oder tragbare IMU-Sensoren — wird daher für eine evidenzbasierte Diagnose und ein nachvollziehbares Therapiemonitoring empfohlen.

Diese Differenzierung ist klinisch bedeutsam, wird jedoch häufig unterschätzt. Residuale Schmerzen äußern sich typischerweise als reduzierte Belastung des operierten Gliedmaßes mit messbarer Abnahme der maximalen Vertikalkraft in der Standphase. Kompensatorische Gangveränderungen hingegen zeigen sich als veränderte Abstoßungsmechanik und Verlagerung der Körperlast auf die kontralateralen Gliedmaßen — oft ohne sichtbare Lahmheit. Objektive Ganganalysen mit Kraft- oder Druckmessplatten bzw. Inertialsensoren ermöglichen die klare Abgrenzung beider Ursachen und erleichtern die gezielte Anpassung des Rehabilitationsprotokolls.

Ein strukturiertes, objektiv messbares Verlaufsmonitoring erfüllt in der Tierphysiotherapie mehrere Funktionen: Es liefert dem Therapeuten reproduzierbare Verlaufsdaten zur Beurteilung der Protokollwirksamkeit. Es erleichtert die strukturierte Kommunikation zwischen Überweiser und Physiotherapeut. Und es ermöglicht die verständliche Visualisierung des Therapiefortschritts für den Tierbesitzer — ein entscheidender Faktor für die langfristige Compliance mit häuslichen Übungsprogrammen. Portables Gait-Monitoring wie Tendiboots™ Canine unterstützt diesen Prozess direkt in der Praxis.

Télécharger la brochure

Broschüre herunterladen

Aktie

Ähnliche Artikel

Tendiboots™ Canine

Behandlung einer Karpalgelenk-Hyperextension bei Hunden

Treffen mit Antoine Maitre, Orthopädietechniker und Gründer von Orthopia-Prothèses, zur Behandlung eines jungen Hundes mit beidseitiger Karpalgelenk-Hyperextension.
Unterstützung durch den Einsatz orthopädischer Hilfsmittel in diesem Fall.   In Zusammenarbeit mit dem

Mehr lesen »
Tendiboots™ Canine

Jump-Down-Syndrom beim Hund

Funktionelle Beurteilung und Rehabilitationsmonitoring mit EKICO Tendiboots™ nach chirurgischer Behandlung des Jump-Down-Syndroms – ein klinischer Fall von Fur Ability Animal Rehabilitation in Zusammenarbeit mit Dr. Sherman Canapp. Klinische Vorstellung Mersey

Mehr lesen »