In diesem klinischen Fall stellt Dr. Gudrun Werner das langfristige Management von Mila vor, einer 10-jährigen Deutschen Schäferhündin mit diagnostizierter lumbosakraler Instabilität und Spondylose.
Durch wiederholte Ganganalysen mit Tendiboots™ Canine und strukturierte Stoßwellentherapiesitzungen zeigt dieser Fall, wie objektive Lokomotionsdaten genutzt werden können, um den funktionellen Verlauf bei chronischen lumbosakralen Erkrankungen zu überwachen
Klinischer Fallbericht: Der Fall Mila
Mila wurde zur Abklärung einer chronischen Lahmheit der rechten Hintergliedmaße vorgestellt. Die klinische Untersuchung bestätigte eine Lahmheit Grad 2/4 der rechten Hintergliedmaße, begleitet von Anzeichen, die auf lumbosakrale Beschwerden und eine mechanische Instabilität hindeuteten.
Die Diagnose einer lumbosakralen Instabilität wurde durch bildgebende Befunde gestützt, die degenerative Veränderungen sowie eine Spondylose im lumbosakralen Übergangsbereich zeigten.
Während der klinischen Untersuchung wurde eine asymmetrische Belastung der Hintergliedmaßen vermutet, begleitet von kompensatorischen Anpassungen der Vordergliedmaßen. Mila zeigte einen verminderten Schub aus der rechten Hintergliedmaße sowie eine leichte Beeinträchtigung der Beckenstabilität sowohl im Stand als auch in der Bewegung.
Aufgrund des chronischen und schwankenden Verlaufs der Erkrankung wurde zu mehreren Zeitpunkten eine objektive Ganganalyse durchgeführt, um die funktionelle Entwicklung im Zeitverlauf genauer beurteilen zu können.
Ganganalyse und klinisches Monitoring
Die Tendiboots™-Ganganalyse beim Hund wurde an drei Zeitpunkten durchgeführt: am 5. November 2024, am 13. November 2024 sowie im April 2026.
Diese Aufzeichnungen wurden mit drei strukturierten Stoßwellentherapie-Zyklen korreliert, die auf den lumbosakralen Übergang abzielten und im November 2024, November 2025 sowie im April 2026 durchgeführt wurden.
Im Verlauf des Beobachtungszeitraums wurde eine progressive Verbesserung der lokomotorischen Symmetrie festgestellt.
Die konsistenteste Veränderung war eine allmähliche Reduktion der Asymmetrie der Hintergliedmaßen, wobei sich die Werte der maximalen Bodenreaktionskräfte zunehmend der zentralen Symmetrieachse annäherten.
Zu Beginn des Nachbeobachtungszeitraums zeigte die rechte Hintergliedmaße im Vergleich zur kontralateralen Seite eine reduzierte Belastung, was auf ein funktionelles Ausweichverhalten hindeutet, das wahrscheinlich mit Schmerzen oder Instabilität zusammenhängt. Im Verlauf nahm diese Asymmetrie ab, und beide Hintergliedmaßen zeigten einen zunehmend ausgeglichenen Beitrag zur Propulsion und Abstützung.
Auch eine Reduktion der kompensatorischen Belastung der Vordergliedmaßen wurde beobachtet, was auf eine allgemeine Verbesserung der Lokomotionsverteilung hindeutet und nicht auf einen isolierten Effekt der Hintergliedmaßen.
Korrelation mit der Stoßwellentherapie
Jede Stoßwellentherapie-Serie wurde von einer deutlichen Verbesserung der Gangsymmetrie begleitet.
Nach den Sitzungen im November 2024 und November 2025 wurde eine Reduktion der Asymmetrie der Hintergliedmaßen beobachtet, einhergehend mit stabileren Belastungsmustern zwischen den einzelnen Schritten. Auch die Variabilität der Kraftverteilung nahm ab, was auf eine verbesserte funktionelle Konsistenz hindeutet.
Die jüngste Intervention im April 2026 war mit der stärksten Stabilisierung der Gangmuster verbunden, gekennzeichnet durch eine verbesserte Symmetrie sowie reduzierte Oszillationen in den Belastungskurven.
Interpretation der Ganganalyse-Daten
In den Tendiboots™-Canine-Grafiken zeigt die progressive Annäherung der Trendlinien von Vorder- und Hintergliedmaßen an die zentrale Symmetrieachse eine Reduktion der lokomotorischen Kompensation.
Zu Beginn lagen die Werte der Hintergliedmaßen deutlich außerhalb der neutralen Symmetriezone, was mit einer asymmetrischen Belastung aufgrund lumbosakraler Beschwerden vereinbar ist. Im Verlauf bewegten sich diese Werte zunehmend in Richtung der zentralen Linie, was auf ein verbessertes Gleichgewicht zwischen den Gliedmaßen hindeutet.
Die Evaluation im April 2026 zeigt das stabilste Muster, mit reduzierter Variabilität und einer physiologischeren Kraftverteilung über alle Gliedmaßen hinweg.
Experteneinschätzung
„Im Verlauf der wiederholten Untersuchungen konnten wir bei Mila eine klare und progressive Verbesserung der Lokomotion feststellen. Besonders relevant ist dabei nicht nur die Reduktion der Asymmetrie, sondern vor allem die Stabilisierung der Gangmuster über die Zeit.
Die Kombination aus Stoßwellentherapie und objektiver Ganganalyse ermöglichte es uns, funktionelle Veränderungen nachzuvollziehen, die bei chronischen lumbosakralen Erkrankungen häufig schwer zu erfassen sind.“
Gudrun Werner, DVM CCRP
Fokus auf die Stoßwellentherapie bei lumbosakraler Erkrankung
Die Stoßwellentherapie wird häufig bei der Behandlung muskuloskelettaler und neuromuskulärer Erkrankungen beim Hund eingesetzt. Bei lumbosakraler Instabilität kann sie zur Schmerzmodulation sowie zur Verbesserung der funktionellen Nutzung der Hintergliedmaßen beitragen.
Zu den Vorteilen dieses Ansatzes zählen:
• Reduktion von schmerzbedingtem Bewegungsvermeidungsverhalten
• Verbesserung der funktionellen Gewichtsbelastung
• Unterstützung der lokalen Gewebeadaptation
• Förderung der Lokomotionssymmetrie im Verlauf der Zeit
Fazit
Dieser Fall zeigt, wie eine wiederholte objektive Ganganalyse in Kombination mit strukturierter Stoßwellentherapie messbare Einblicke in die funktionelle Entwicklung einer chronischen lumbosakralen Instabilität ermöglichen kann.
Im Verlauf zeigte Mila eine progressive Verbesserung der Symmetrie der Hintergliedmaßen, eine Reduktion kompensatorischer Belastungsmuster sowie ein stabileres und physiologischeres Gangbild.
Während einige klinische Befunde im Zusammenhang mit ihrer lumbosakralen Instabilität, einschließlich wiederkehrender Beckenasymmetrien und lumbaler Empfindlichkeit, über die Zeit weiterhin vorhanden waren, dokumentierten die objektiven Lokomotionsdaten dennoch relevante funktionelle Veränderungen.
Diese Entwicklungen spiegelten sich auch im Alltag von Mila wider. Laut ihren Besitzern war sie vor Beginn der Stoßwellentherapie nicht in der Lage, ihre üblichen 10 km langen Spaziergänge komfortabel zu absolvieren. Nach der Behandlung konnte sie wieder bereitwilliger und mit verbessertem Komfort an diesen längeren Spaziergängen teilnehmen.
Dieser Fall unterstreicht den Wert der Kombination aus objektiver Ganganalyse, klinischer Expertise und vom Besitzer berichteten Beobachtungen, um Patienten mit chronischen muskuloskelettalen Erkrankungen zu überwachen und funktionelle Fortschritte über statische klinische Befunde hinaus zu beurteilen.
Dr. Gudrun Werner, Tierärztin mit Spezialisierung auf Physiotherapie und Rehabilitation
Gudrun Werner ist eine zertifizierte Canine Rehabilitation Practitioner (CCRP) mit Spezialisierung auf Physiotherapie, Rehabilitationsmedizin, Akupunktur und chiropraktische Behandlung.
Sie praktiziert in Österreich und arbeitet mit Hunden und Katzen, die an muskuloskelettalen und neurologischen Erkrankungen leiden. Dabei integriert sie moderne Therapieansätze wie Stoßwellentherapie, Lasertherapie und Elektrostimulation.
In ihrer klinischen Praxis nutzt sie außerdem das Tendiboots™ Canine-System zur objektiven Ganganalyse.
Besuchen Sie die Website von Dr. Gudrun Werner: http://www.tieropraktik.at/


