Treffen mit Antoine Maitre, Orthopädietechniker und Gründer von Orthopia-Prothèses, zur Behandlung eines jungen Hundes mit beidseitiger Karpalgelenk-Hyperextension. Unterstützung durch den Einsatz orthopädischer Hilfsmittel in diesem Fall.
In Zusammenarbeit mit dem behandelnden Tierarzt und den Besitzern des Tieres.
Karpalgelenk-Hyperextensionssyndrom, eine häufige Verletzung
Die Karpalgelenk-Hyperextension wird als eine Form der Verstauchung betrachtet und kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden. Dazu gehören beispielsweise Traumata (Stürze, Sprünge usw.), aber nicht ausschließlich. Bestimmte Hunderassen weisen eine besondere Prädisposition für diese Art von Bewegungsstörung auf.
Die in diesem Artikel vorgestellte Hündin (namens Phinea) leidet unter einer leichten bis mittelgradigen Dysplasie der Hüften und Ellenbogen. Es wird vermutet, dass die Kompensation dieser verschiedenen Gelenkinstabilitäten der Ursprung der Karpalgelenkproblematik ist.
In ihren schwersten Ausprägungen kann eine Karpalgelenk-Hyperextension dazu führen, dass das Tier einen plantigraden Gang entwickelt. Dabei sinkt das Karpalgelenk so stark ab, dass es den Boden berührt.
Hilfsmittel zur Vermeidung einer Arthrodese
Im Fall von Phinea empfahl der behandelnde Tierarzt zunächst den Einsatz orthopädischer Hilfsmittel, um einen chirurgischen Eingriff zu vermeiden. Diese Hilfsmittel wurden insbesondere für die langen Spaziergänge empfohlen, die die 4-jährige Hündin regelmäßig mit ihren Besitzern unternimmt.
Die derzeit verwendete Gelenkorthese ermöglicht es dem Tier, weiterhin aktiv zu bleiben, seine Muskelmasse zu erhalten und die Entwicklung einer Arthrose zu begrenzen.
Allerdings sind nicht alle orthopädischen Lösungen für Hunde gleichwertig! Im Fall von Phinea erwiesen sich die auf dem Markt verfügbaren textilen Lösungen als zu flexibel, um die Rückverlagerung ihres Karpalgelenks zu kontrollieren. Diese Bewegungen sind gesundheitsschädlich und sollen vom behandelnden Tierarzt unbedingt vermieden werden.
Diese Art von Hilfsmittel ist zu nachgiebig und ermöglicht nicht die erforderliche Bewegungskorrektur. Dadurch besteht ein hohes Risiko einer Verschlimmerung des Hyperextensionssyndroms, wodurch die Prüfung eines chirurgischen Eingriffs unvermeidbar werden könnte.
Im Gegensatz zu den flexiblen Lösungen, die für die Behandlung von Phinea nicht geeignet waren, wäre es durchaus möglich gewesen, eine vollständig starre Orthese für die Versorgung dieser Art von Erkrankung anzufertigen.
Um die Beweglichkeit einzuschränken, stehen dem Tierarzt je nach Schweregrad des zu behandelnden Falls zwei Möglichkeiten zur Verfügung:
- Die Anwendung vollständig starrer Orthesen, die keine Bewegung zulassen. Diese Art der Versorgung wird beispielsweise in schweren Fällen in Betracht gezogen, bei denen eine Arthrodese nicht möglich oder nicht durchführbar ist. Ein Beispiel für diese Art der Versorgung finden Sie auf dem YouTube-Kanal von Orthopia.
- Die Anwendung gelenkiger Orthesen, die einen mehr oder weniger stark eingeschränkten Bewegungsumfang ermöglichen, der vom Tierarzt festgelegt wird. Diese Option wurde im Fall von Phinea gewählt.
Schritt für Schritt
Die Anfertigung einer individuellen Orthese erfolgt in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Tierarzt und findet in mehreren Schritten statt:
1/ Abdrucknahme
Das Tier wird sorgfältig untersucht, um alle notwendigen Maße für die Entwicklung seiner orthopädischen Versorgung zu erfassen.
Zusätzlich wird eine klinische Untersuchung durchgeführt. Diese ist entscheidend, um die individuelle Biomechanik jedes Patienten zu berücksichtigen. Die Hilfsmittel müssen das spezifische Gangbild jedes einzelnen Tieres genau berücksichtigen.
Anschließend wird ein Abdruck angefertigt, in der Regel mit Gips, um eine Fertigung zu ermöglichen, die perfekt an die Morphologie des Tieres angepasst ist.
Die Herstellung einer maßgefertigten Versorgung hängt von vielen Faktoren ab, beispielsweise von der Komplexität der vom Tierarzt gewünschten Bewegungseinschränkungen, einer vollständigen oder teilweisen Immobilisierung, der Verwendung versetzter Achsen, einer gelenkigen oder starren Versorgung, der Wahl der Winkelstellungen, der Gelenkbegrenzung usw.
Im Fall dieser Versorgung zur Behandlung der Karpalgelenk-Hyperextension wurde empfohlen, die Beugung des Gelenks in seinem normalen Bewegungsablauf zu ermöglichen, gleichzeitig jedoch jede übermäßige Streckung zu begrenzen. Die Hundeorthese dient dabei als mechanischer Anschlag, um diese Bewegung entsprechend dem vom Tierarzt vorgegebenen Grad zu verhindern.
2/ Testen der Orthese
Nach der Herstellung wird die Orthese am Tier unter realen Bedingungen getestet. Es können gegebenenfalls Anpassungen erforderlich sein (beispielsweise zu starke Korrekturen oder umgekehrt eine unzureichende Bewegungseinschränkung).
Die Termine zur Anpassung unterscheiden sich daher je nach Patient und entsprechend den notwendigen Änderungen.
3/ Endgültige Anpassung der Orthese
Nach Durchführung der erforderlichen Anpassungen findet ein abschließender Termin zwischen dem Orthopädietechniker und dem Tier statt.
Die korrekte Anpassung der Orthese wird ein letztes Mal direkt am Patienten überprüft.
Die Fortbewegung mit der Orthese wird kontrolliert und den Besitzern werden Empfehlungen zur korrekten Anwendung und Nutzung der Versorgung gegeben.
Das Anpassungsprotokoll muss schrittweise und unter Kontrolle erfolgen. Für eine gute Gewöhnung von Phinea an die Orthese wurde beispielsweise empfohlen, die Hundeorthese zweimal täglich für jeweils 40 Minuten zu tragen.
Dieser Prozess ermöglicht es der Haut an den Gliedmaßen, sich langsam an die Versorgung zu gewöhnen, ohne schmerzhafte oder schädliche Hautverletzungen zu verursachen. Hinweise zur Pflege und Reinigung der Orthese werden ebenfalls während dieses abschließenden Termins gegeben.
Bei zukünftigen klinischen Untersuchungen ist lediglich eine einfache Kontrolle durch den behandelnden Tierarzt erforderlich, um sicherzustellen, dass die orthopädische Versorgung weiterhin geeignet ist. Im Laufe der Zeit können Empfehlungen für Anpassungen ausgesprochen werden, um das Tier während seiner Rehabilitation bestmöglich zu begleiten.


