Wenn statische und dynamische Gangdaten nicht übereinstimmen

Die objektive Ganganalyse wird zunehmend als unverzichtbares Werkzeug in der Physiotherapie und Rehabilitation von Hunden anerkannt. Die Kombination von statischen und dynamischen Messmethoden liefert oft ein umfassenderes Bild der Hundelokomotion, auch wenn die Ergebnisse manchmal widersprüchlich erscheinen können.

Der Fall von Freddie — ein Langzeitrehabilitationspatient nach einer T13–L2-Hemilaminektomie — zeigt perfekt, wie sich statische Belastungsmuster und dynamische Bewegungsdaten unterscheiden können und warum diese Unterschiede keine Fehler sind, sondern wertvolle klinische Einblicke bieten.

In diesem Artikel wird Freddies Untersuchung im Splash Paws Canine Hydrotherapy & Physiotherapy Centre Schritt für Schritt erläutert, um zu zeigen, warum seine statischen und dynamischen Daten „verschiedene Geschichten erzählen“ — und warum beide gültig sind.

Fallhintergrund: Warum Freddie untersucht wurde

French bouledogue

Freddie wird seit seiner Wirbelsäulenoperation im Jahr 2024 in dem Zentrum betreut. Bei einer routinemäßigen Untersuchung stellte die Therapeutin bzw. der Therapeut Folgendes fest:

• Neu aufgetretenen Muskelabbau an der rechten Vorder- und Hintergliedmaße
• Zunehmende Steifheit, überwiegend auf der rechten Körperseite
• Hypertonus der Nacken-, Brust- und Lendenmuskulatur
• Propriozeptive Verzögerungen in beiden Hintergliedmaßen

Um diese Veränderungen besser zu verstehen, wurde eine kombinierte statische (Stance Analyzer) und dynamische (Tendiboots™) Ganganalyse empfohlen.

Statische Analyse (Standanalyse): Was Freddie in Ruhe zeigt

Gewichtsverteilung
• Linke Vordergliedmaße (LV): 45 % (sehr hoch)
• Rechte Vordergliedmaße (RV): 31 %
• Linke Hintergliedmaße (LH): 12 %
• Rechte Hintergliedmaße (RH): 12 %

Die Interpretation dieser Daten durch das Team war, dass Freddie seine linke Vordergliedmaße deutlich überlastet, beide Hintergliedmaßen gleichermaßen entlastet und die linke Vordergliedmaße als eine Art „Stützpfeiler“ nutzt, um den Körper zu stabilisieren.

In Ruhe deutet dieses Muster darauf hin, dass er die linke Vordergliedmaße als komfortabler empfindet als die rechte Seite.

Allein auf Grundlage dieser Zahlen könnten Fachpersonen schlussfolgern, dass die linke Vordergliedmaße stark und schmerzfrei ist und dass das Problem auf der rechten Seite liegt.

Genau hier zeigt sich jedoch, warum es irreführend sein kann, sich ausschließlich auf eine statische Analyse zu verlassen.

Dynamische Analyse (Tendiboots™): Was Freddie in Bewegung zeigt

Wenn Freddie sich zu bewegen beginnt, ändert sich das Bild dramatisch.

Vordergliedmaßen – Ergebnisse Tendiboots™

Links Vordergliedmaß (LFore) vs Rechts Vordergliedmaß (RFore)

• Schritthöhe: 2 cm vs 8 cm
• Schrittlänge: 10 cm vs 15 cm
• Maximalbelastung (N/kg): 12,8 vs 26,1
• Schrittdauer: 447 ms vs 522 ms

Die Interpretation der dynamischen Daten zeigt, dass das linke Vordergliedmaß einen geringeren Bewegungsbereich, kürzere Schritte, eine deutlich reduzierte Belastung und eine frühere Bodenkontaktaufnahme (kürzere Schrittdauer) aufweist.

Dies sind typische Muster einer dynamischen Vermeidung aufgrund von Unbehagen oder Schmerzen.

Dynamisch betrachtet scheint es, dass Freddie, obwohl er sich in Ruhe stark auf sein linkes Vordergliedmaß stützt, dieses während der Bewegung nicht belasten möchte.

Hintergliedmaßen: Übereinstimmung zwischen statischen und dynamischen Daten

Interessanterweise stimmen sowohl der Stance Analyzer als auch Tendiboots™ darin überein, dass Freddies Hintergliedmaßen symmetrisch belastet sind, d. h. dass linke und rechte Hintergliedmaßen das Gewicht relativ gleichmäßig tragen. In der statischen Analyse waren die Hintergliedmaßen insgesamt unterbelastet (jeweils 12 % statt der erwarteten 20 %), doch beide Seiten teilten die Last gleichmäßig. Die dynamischen Messungen von Tendiboots™ bestätigten diese Symmetrie in Bewegung, mit nur geringen Unterschieden in Schritthöhe, Schrittlänge und Spitzenbelastung zwischen linker und rechter Hintergliedmaße.

Was lässt sich daraus schließen? Obwohl die Hintergliedmaßen im Vergleich zum Normalwert unterbelastet sind, zeigt die Symmetrie, dass Freddie kein Hinterbein bevorzugt. Diese Unterbelastung ist wahrscheinlich ein kompensatorischer Mechanismus für die in den Vordergliedmaßen beobachteten Beschwerden und dynamischen Ausweichbewegungen. Anders gesagt: Während die Hintergliedmaßen nicht ihr volles erwartetes Gewicht tragen, funktionieren beide relativ zueinander ausgeglichen und unterstützen die allgemeine Stabilität und den Gang.

Diese Übereinstimmung zwischen statischen und dynamischen Daten unterstreicht einen wichtigen Punkt: scheinbare Widersprüche zwischen Stand- und Gangmessungen sind oft klinisch bedeutsam und spiegeln Haltungs- und Kompensationsstrategien wider, anstatt Messfehler zu sein. Für Freddie zeigt dies, dass Interventionen nicht nur auf die Beschwerden der Vordergliedmaßen abzielen sollten, sondern auch die schrittweise Aktivierung der Hintergliedmaßen fördern müssen, um eine natürlichere Gewichtsverteilung wiederherzustellen.

Warum statische und dynamische Daten voneinander abweichen können

Ein Gliedmaß kann in Ruhe überlastet und bei Bewegung unterlastet sein.

Dies geschieht, wenn:
1. Das Gliedmaß in statischer Haltung stabil und komfortabel ist
– Der Hund kann sein Gewicht darauf ablegen, ohne Schmerzen auszulösen.

2. Die Bewegung desselben Gliedmaßes jedoch unangenehm oder schmerzhaft ist
– Schmerzen treten auf, wenn:
• Das Gelenk gebeugt oder gestreckt wird
• Muskeln kontrahieren
• Sehnen gleiten
• Das Gliedmaß dynamische Last aufnimmt

Daher gilt:
• Statisch: der Hund lehnt sich auf das Gliedmaß
• Dynamisch: der Hund vermeidet das Gliedmaß

Dies kommt besonders häufig vor bei:
• Sehnenproblemen der Schulter
• Ellenbogengelenksarthrose
• Nackenschmerzen, die in die Vordergliedmaßen ausstrahlen
• Myofasziale Triggerpunkte
• Postoperativen Kompensationen
• Chronischen, asymmetrischen Bewegungsgewohnheiten

Freddies hypertonische Hals- und Brustmuskulatur entspricht genau diesem Muster.

Was die dynamische Analyse im Vergleich zur statischen Analyse zeigt

Statische Instrumente messen den Komfort in Ruhe.

Sie sind nützlich für:
• Posturale Kompensationen
• Bevorzugte Gewichtsbalance
• Chronische Gewohnheiten

Dynamische Instrumente (wie Tendiboots™) messen, was der Hund in Bewegung tun will oder nicht tun will.

Sie zeigen auf:
• Bewegungsausgelöste Schmerzen
• Funktionelle Defizite
• Eingeschränkten Bewegungsbereich
• Asymmetrische Belastung beim Gang

Freddies Fall zeigt perfekt, dass statische und dynamische Messungen unterschiedliche Geschichten erzählen können. Beide sind korrekt, spiegeln jedoch verschiedene Aspekte des Gangs und der Funktion des Hundes wider.

Endgültige klinische Interpretation

Freddie scheint in statischer Haltung sein linkes Vorderbein zu überlasten, da es Stabilität bietet und sich im Ruhemodus komfortabel anfühlt.

Bei dynamischer Bewegung nutzt er jedoch das linke Vorderbein weniger, da Bewegung Unbehagen auslöst.

Dieses Muster erklärt:
• Die zuvor festgestellten Muskelveränderungen
• Die progressive Steifigkeit
• Die Diskrepanz zwischen beobachtetem Gangbild und RuhehaltungEs unterstreicht auch, warum eine objektive Ganganalyse unverzichtbar ist – eine rein visuelle Beurteilung kann diese Dualität nicht erfassen.

Die Worte der Fachleute:

„Bei Freddies Standanalyse zeigte sich, dass er seine linke Vorderpfote überlastet und überbeansprucht. Dies steht im Gegensatz zu dem, was bei seiner dynamischen Bewegung beobachtet wurde, bei der er die Belastung auf dieser Vorderpfote reduzierte und sie unternutzte. Die erhöhte Gewichtsbelastung auf dieser linken Vorderpfote in statischer Haltung macht das Glied wahrscheinlich unangenehm, was zu dieser Unternutzung führt.Die erhöhte Belastung erhöht den Druck und verursacht Spannungen in den Gelenken und den umliegenden Weichteilstrukturen. Dies trägt zu einer verminderten Schritt­höhe, Schrittlänge und Schrittdauer auf diesem Glied bei, da er wahrscheinlich Unbehagen verspürt, wenn er versucht, die Pfote korrekt zu benutzen.”

Emma Figg & Ellie Bridges, Tierhydrotherapeutin und Physiotherapeutin im Splash Paws, Zentrum für Hundehydrotherapie und Physiotherapie

Therapieplan basierend auf der Analyse

Das Pflegeteam entschied sich dafür:
• Die Überlastung des linken Vorderbeins zu reduzieren
• Die Aktivierung der anderen Gliedmaßen zu verbessern
• Gezielte Physiotherapie einzuführen (Massage, Laser, kontrollierte Übungen)
• Einen Heimmanagement-Plan umzusetzen (langsames Gehen, Aufwärmen, Aktivitäten an der Leine)

Dieser kombinierte Ansatz zielt direkt auf das durch die dynamische Analyse aufgezeigte Funktionsdefizit ab.

Fazit

Der Fall von Freddie zeigt, warum eine objektive Ganganalyse sowohl statische als auch dynamische Messungen umfassen muss.

Was auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint, ist in Wirklichkeit:
• klinisch logisch
• physiologisch zu erwarten
• sehr aufschlussreichStatische Daten zeigen, wie der Hund das Gewicht in Ruhe verteilt.

Dynamische Daten zeigen, wie und warum der Hund bestimmte Gliedmaßen in Bewegung meidet.Gemeinsam liefern diese Werkzeuge ein vollständiges Bild und ermöglichen eine präzisere Therapieplanung sowie bessere Rehabilitations­ergebnisse.

Tendiboots™ Canine
Tendiboots™ Canine
Stance Analyzer

Erfahren Sie mehr über das Splash Paws Centre, das von Tendiboots™ empfohlene Demo‑Zentrum im Vereinigten Königreich

The Ladder Shed
Brattle Farm
Five Oak Lane
Staplehurst
Kent
TN12 0HE
UK

Email : graham.splashpaws@gmail.com
Telefonnummer: +44 7870 962850
Facebook : https://www.facebook.com/SplashPaws/
Instagram : https://www.instagram.com/splashpawshydro

Partager :

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

À la une

Articles Similaires

Tendiboots™ Canine

Alltägliche Unfälle bei Hunden

Alltägliche Unfälle können unerwartete Folgen für die Mobilität unserer Tiere haben. Glücklicherweise ermöglicht die Kombination aus gezielter Physiotherapie und elektronischer Gangbildanalyse heute, diese Probleme auf objektive und effektive Weise zu

Lire plus »