Berufliche Neuorientierung von Tierärztinnen und Tierärzten

Ein Thema, das in den letzten Jahren in der Berufswelt zunehmend an Bedeutung gewonnen hat, ist die berufliche Neuorientierung von Tierärzten – sei es innerhalb des Bereichs der Tiergesundheit oder in einem völlig anderen Tätigkeitsfeld. Aber was sind die Gründe dafür?

Überblick über frisch qualifizierte Tierärzte

Laut dem demografischen Atlas der veterinärmedizinischen Berufsausübung 2024*, der in Frankreich veröffentlicht wurde, waren zum 31. Dezember 2023 insgesamt 21.494 Tierärzt:innen beim Französischen Veterinärrat registriert – ein Anstieg von 3 % gegenüber 2022.

Bei den erstmaligen Registrierungen, also Tierärzt:innen, die sich erstmals beim Rat eintragen lassen, lag die Zahl 2023 bei 1.168 – 71 mehr als im Jahr 2022. Unter diesen neu registrierten Tierärzt:innen haben die meisten ihr Studium an französischen nationalen Veterinärschulen abgeschlossen, gefolgt von Absolvent:innen aus Spanien, Belgien und Rumänien. Der Atlas weist außerdem auf einen Anstieg französischer Tierärzt:innen hin, die ihr Studium im Ausland absolviert und sich neu beim Rat registriert haben.

Was die Tierärzt:innen betrifft, die sich entschieden haben, den Registereintrag aufzugeben und somit nicht mehr in der Tiermedizin oder Chirurgie tätig zu sein, sind 51,2 % der Frauen unter 40 Jahre alt, obwohl dieser Anteil rückläufig ist. Im Durchschnitt beträgt das Alter der Frauen, die das Register verlassen, 44 Jahre, bei den Männern 60 Jahre. Dies zeigt eine deutliche Altersdifferenz zwischen Frauen und Männern, die freiwillig aus dem Register austreten. Laut einer veterinärmedizinischen Dissertation aus dem Jahr 2018 sind die Hauptgründe für das Verlassen des Registers: „Ruhestand, gesundheitliche Gründe (Behinderung, Krankheit usw.), Tod, Ausübung der Tiermedizin im Ausland und berufliche Neuorientierung.“**

Verlassen der klinischen Praxis: Zu welchem Zweck?

Die gleiche Dissertation führte eine Umfrage unter ausscheidenden Tierärzten durch, um das Thema besser zu verstehen. Unter den Befragten wählten „mehr als ein Drittel (N=29) der Tierärzte, die in Frankreich praktizierten, bevor sie die Mitgliedschaft im Tierärzte-Orden aufgaben, die Fortsetzung der klinischen Praxis im Ausland.“ Die klinische Tätigkeit wird also unter ausscheidenden Tierärzten nicht zwangsläufig aufgegeben.

Zusätzlich „entscheiden sich 22,2 % der Tierärzte in der Privatpraxis für einen Berufswechsel in einen nicht-klinischen tierärztlichen Bereich, der keine Registrierung beim Orden erfordert.“ Zu den betroffenen Sektoren gehören die öffentliche Gesundheitsaufsicht, die veterinärmedizinische Pharmaindustrie, Lehre, veterinärmedizinische Beratung, Veterinärdienste des Militärs oder veterinärmedizinische Diagnostiklabore.

Hinsichtlich der Veterinäre, die in Bereiche außerhalb der Tiergesundheit wechseln, werden hauptsächlich die Bereiche Lehre, Verwaltung und öffentliche Dienste genannt. Die Dissertation stellt zudem fest: „Einige entscheiden sich, ein eigenes Unternehmen in einem nicht-medizinischen Bereich zu gründen oder persönliche berufliche Projekte zu verfolgen, die ihnen ebenfalls am Herzen lagen (z. B. Gastronomie, Konditorei oder Politik).“

Schließlich richten sich Tierärzte, die die Praxis verlassen und eine Anstellung suchen, ebenfalls auf die Bereiche Lehre, die Agrar- und Lebensmittelindustrie sowie Verwaltung aus. Einige setzen ihr Studium fort, entweder in veterinärmedizinischen Bereichen zur Spezialisierung oder in völlig anderen Fachgebieten. Dennoch entscheiden sich manche Tierärzte, den Orden zu verlassen und freiwillig arbeitslos zu bleiben, aus Gründen wie Elternzeit, persönlichen Projekten, Unzufriedenheit mit der Arbeitsumgebung, Beruf, der das Familienleben beeinträchtigt, oder gesundheitlichen Problemen.

Tierärztliche Erfahrungsberichte

Sarah André, Tierärztin und Autorin:
„Ich betrachte meine Berufswahl nicht wirklich als Neuorientierung an sich, sondern eher als eine andere Art, als Tierärztin zu arbeiten.

Dieses Studium bildet uns in verschiedenen Bereichen der Tiergesundheit aus. Neugier und Vielseitigkeit gehören zu den Eigenschaften einer Tierärztin, und das spiegelt sich auch in den Karriereentscheidungen wider. Während meines Studiums hatte ich die Möglichkeit, Praktika außerhalb der klinischen Praxis zu absolvieren und mich mit Tierärzt:innen auszutauschen, die die klinische Arbeit verlassen hatten.

Später hatte ich die Gelegenheit, nach dem Abschluss im Bereich Kommunikation und Marketing zu arbeiten, und habe diese Chance genutzt, um diese Wege zu erkunden. Dennoch bin ich nicht vollständig verschlossen gegenüber einer Rückkehr in die klinische Praxis und würde diese Tür nicht schließen, sollte sich eine interessante Gelegenheit ergeben. Andererseits würde ich mein Tiermedizinstudium nicht noch einmal absolvieren, wenn ich die Wahl hätte.

Ich war schon immer an diesem Beruf interessiert… aber ebenso an anderen Bereichen. Außerhalb der Tiergesundheit zu arbeiten wäre für mich kein Problem.”

Tierärzt:in, anonym:
“Für meinen Teil betrachte ich den Beruf der Tierärzt:in nicht ausschließlich als klinische Tätigkeit. Wir haben das Glück, dass unser Abschluss eine Vielzahl von Möglichkeiten innerhalb der Tiergesundheit und sogar darüber hinaus eröffnet!

Ich sehe meine Berufswahl daher nicht als Neuorientierung, sondern als eine mögliche Richtung, auch wenn sie außerhalb der „sozialen Norm“ für Tierärzt:innen liegt.

Derzeit arbeite ich als technische:r Tierärzt:in in einem pharmazeutischen Labor. Diese Stelle wurde frei, weil meine Vorgänger:in in die klinische Praxis zurückgekehrt ist. Ich schließe die Möglichkeit nicht aus, eines Tages wieder klinisch tätig zu sein… oder weiterhin neue Facetten des Berufs zu erkunden! Ich lasse mich von den beruflichen Chancen leiten, die sich ergeben.

Abschließend bin ich auch stolz darauf, die Tierärzt:innen in einem nicht-klinischen Bereich zu vertreten. In diesen Bereichen vertreten zu sein, ermöglicht es uns, unsere Kolleg:innen in der klinischen Praxis besser zu verstehen und zu unterstützen, die täglich mit zahlreichen Partnern arbeiten.”

Erhältlich unter:
*https://www.veterinaire.fr/system/files/files/2024-08/ATLAS-NATIONAL-2024-WEB-02082024.pdf
**Victorion, Louis. Analysis of Voluntary Exits from the Register of Veterinarians under 40 Years Old: Characterization of Departures and Identification of Reasons for Withdrawal. Professional Thesis, Veterinary Medicine, National Veterinary School of Toulouse – ENVT, 2018, 117 pages.

Quellen::
Chantal Béraud. Career Changes and Retraining: Abandoned Clinical Practice. La Semaine Vétérinaire n° 1898, 07/05/2021.

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